Selbstfürsorge #vomkleinenglück

#vomkleinenglueck

Die erste Woche nach dem Urlaub neigt sich dem Ende und ich habe etwas Zeit, mit Gedanken zu machen. Gedankenzeit, die ich mit Zeitgedanken verbringe. Wie war das Jahr bisher? Wie war der Urlaub? Was bringt das weitere Viertel des Jahres?

Von Januar bis Juli auf der Überholspur

Das trifft es schon ganz gut. Wenn ich an die ersten 7 Monate denke, sehe ich mich mit heraushängender Zunge dem Zeitmonster hinterherjagen, um ihm noch ein paar Minuten Zeit zu entreißen. Das ist kein schönes Bild, da auch viele tolle Ereignisse passiert sind und die dabei untergehen, weil keine Zeit war, sie nachhaltig zu genießen.

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Gegen Ende des Schuljahres fehlt ja generell die Puste, ich aber habe gemerkt, wie wahnsinnig erschöpft ich bin. Really exhausted. Exhaurire heißt im Lateinischen auch ausgeschöpft. Das beschreibt meinen gefühlten Zustand am besten, als ob jemand alle Energie aus mir herausgeschöpft hätte und einfach nichts mehr da ist. Lehr bis auf den letzten Tropfen. Das war krass! So deutlich habe ich das noch nie wahrgenommen, aber dieses Jahr im Sommer war einfach nichts mehr übrig. Ich hatte ständig Migräne, Schlaf war schon seit Wochen Mangelware, Geduld längst aufgebraucht. So ein Leben auf der Überholspur ist anstrengend und frisst alle körperlichen Ressourcen auf. Sport konnte ich auch keinen machen, da ich mein Knie verletzt hatte. Schokolade war mein Rettungsanker. Alles war richtig doof und eine Pause bitter nötig.

— break —

Die Pause. Ferien. 4 Wochen am Stück. Ich weiß noch, an meinem letzten Arbeitstag, es war ein Mittwoch, war es sehr  heiß und wir hatte noch eine Teamsitzung. Meine Kollegin nahm mich bis in den Nachbarort mit und von dort aus bin ich nach Hause gelaufen. Ich habe den Weg bewusst gewählt, mir bewusst Zeit gelassen, im Urlaub anzukommen. Ich wollte ruhig zu Hause ankommen. Voller Vorfreude auf den Weg lief ich los. 45 Minuten brauchte ich. Mit jedem Meter bin ich mehr angekommen. Mehr bei mir selbst. Ich freute mich, über die freie Zeit, die Sonne, das Nichtstun, die Blumen am Wegrand, die Gräser am Wegrand. Dieser Weg war einfach heilsam. Durch das Laufen konnte ich langsam ankommen, mich vom Stress verabschieden, ihn ziehen lassen (zumindest mal gedanklich) und die Vorfreude genießen. 45 Minuten nur für mich und die Vorfreude. Wann habe ich das zuletzt gemacht? Mich auf etwas zu richtig gefreut? Wann hast du dich zuletzt so richtig gefreut? Ich habe es genossen! Sonst passiert alles immer nur. Tack! Tack! Tack! Next happening, please. Nein, ich habe die Bremse getreten und bin langsam geworden, ich habe das Tempo rausgenommen und entschleunigt. Und das war sehr heilsam! Wenn ich gerade daran denke, kommen mir fast die Tränen, weil ich es nicht fassen kann, dass ich mir selbst so etwas Gutes getan habe. Es ist nur eine Kleinigkeit und doch hat es für mich eine große Bedeutung.

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Das Ding mit der Selbstfürsorge

Als ich zu Hause ankam, war ich ganz bei mir. Mit jedem Schritt, den ich gegagnen bin, habe ich mich immer weiter von der Arbeitswelt entfernt, sodass nach 45 Minuten laufen, die Entfernung gefühlt groß war. So ähnlich müssen sich Pilger fühlen, wenn sie an ihrem Ziel ankommen.

Dann waren sie da, die großen Ferien. Viele Pläne hatte ich nicht. Ich wollte mich treiben lassen und einfach auf mich zukommen lassen, was der Tag so mit sich bringt. Das Planlose planen klingt auch irgendwie verrückt und schließlich merkt man auch erst hinterher, ob es funktioniert hat, oder nicht.

Für diese 4 Woche habe ich mir Zeit für mich gewünscht. Zeit nur für mich, alleine mit mir selbst, und ja, ohne Familie. Ich gehöre zum Personenkreis, der gerne mit sich allein ist, und das größte Glück in der Einsamkeit finden kann. Ich freue mich, wenn ich nicht kommunizieren muss, nicht Ansprechpartner bin und nicht reden muss. 4 Wochen Schweigekloster: Ein Traum! Im Alleinsein schöpfe ich Kraft.

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Im Familienalltag lässt sich das aber kaum bewerkstelligen und so baue ich mir manchmal kleine Inseln, Joggen zum Beispiel. Aber diesen Sommer habe ich wohl das größte Geschenk der letzten Jahre bekommen: Eine Woche Urlaub mit mir selbst! Dafür werde ich Sven ewig dankbar sein! Ich konnte mich einfach mal um mich selbst kümmern und zwar so, wie es richtig und gut für mich ist. Ich habe mit niemandem gesprochen, ich war nichtmal einkaufen. In dieser Woche habe ich Dinge getan, einfach, weil sie mir guttun, nur für mich. Ich war wandern (–> neus Hobby), ich habe mich zuckerfrei ernährt und wieder ein normales Verhältnis zum Essen bekommen (wohoo!), ich habe tatsächlich mal eine Nacht durchgeschlafen ( 9 Stunden am Stück!!!) und Gedanken zu Ende denken können (war auch mal toll). Ich konnte mein System mal richtig runterfahren. Und obwohl ich gedanklich mit dem Gang nach Hause schon abschalten konnte, hat mein Körper über eine Woche gebraucht, bis er aus dem Stressmodus herauskam. ÜBER EINE WOCHE! Und ich hatte in dieser Woche nichts anderes zu tun, als mit mir selbst die Zeit zu verbringen. Das fand, und finde ich immer noch, heftig. Es dauerte über eine Woche, bis mein Körper ersteinmal in den Zustand kam, damit er sich erholen konnte. Das hat bei mir innerlich sehr viel Kopfschütteln ausgelöst und mich zum Umdenken bewegt. Zum Glück hatte ich auch vier Wochen frei, sodass ich keinen „Druck“ hatte, mich in 2 oder 3 Wochen erholen „zu müssen“. Ich hatte Zeit und die habe ich mir auch genommen.

Seitdem mache ich mir Gedanken über Selbstfürsorge. Was kann ich mir Gutes tun, damit ich nicht nochmal an diesen Punkt der absoluten Erschöpfung komme? Was sind meine Inseln? Wie kann ich mir Erholung in den Alltag einbauen? Und wie funktioniert das innerhalb der Familie? Diese Gedanken sind längst nicht zu Ende gedacht und werden immer mal wieder Raum bekommen, weitergedacht zu werden. Denn so, wie vor den Ferien soll es auf keinen Fall weiter gehen!

Der Rest des Jahres

Nun ist die erste Arbeitswoche nach dem Urlaub vorbei und ich lasse ein wenig Revue passieren, wie es mir damit geht, wie die Ferien schlussendlich waren und wie es den Rest des Jahres weiter gehen soll.

Der Arbeitsbeginn war tatsächlich halb so schlimm. Der Sonntag war zwar grauselig, weil bei mir irgendwie immer die Stimmung zu drohen kippte. Ist sie aber nicht und schließlich habe ich akzeptiert, dass die Ferien nun mal vorbei sind.

Mit einer Woche Abstand kann ich sagen: DIE FERIEN WAREN TOLL! Ja, wir waren faul, haben in den Tag hineingelebt, wenig geplant und das getan, worauf wir Lust hatten. Das Unplanbare kann man ja nicht planen, es passiert, oder eben nicht. Und man weiß es erst hinterher, ob es auch funktionert hat. Und wir haben uns erholt! Auch da bin ich doch mehr als positiv überrascht! Das habe ich tatsächlich nicht erwartet. Fühlte ich mich vor den Ferien ausgeschöpft, so ist mein Tank nach den Ferien wieder etwas gefüllt. Es ist toll, wieder Energie zu spüren, die aus einem Selbst kommt! Das haben wir direkt mal ausgenutzt und in der letzten Ferienwoche noch so einiges unternommen. Das hat auch richtig gut getan! Mit etwas Abstand zeigt sich, dass wir zuerst eine ausgedehnte Ruhephase brauchen und dann etwas Action 🙂

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Jetzt liegt der Rest des Jahres so halb ungeplant vor mir und ich mache mir Gedanken, wie, wo, was wir damit anstellen sollen 🙂 So toll, wie ich das Ungeplante in den Ferien finde, so mag ich es dennoch den Alltag zu planen, zu strukturieren und Schönes für uns ins Auge zu fassen. Aber ich schaue auch, wie ich mir Gutes tun kann. Nur für mich allein. Selbstfürsorge soll einen festen Platz in meinem Terminkalender bekommen!

 

Hui! Das ist ganz schön lang geworden. Hat jemand bis hierher gelesen? Wenn ja, dann würde mich interessieren, wie ihr das hinbekommt. Wie kümmert ihr euch um euch selbst? Was tut ihr euch Gutes?

Wir werden gleich in den Wald fahren und uns ansehen, ob der Herbst bald Einzug hält!

Habt einen schönen Sonntag!

 

 

1 Kommentar

  1. Hey,
    damit beschäftige ich mich seit ca. einem halben Jahr und am Anfang war meine Einstellung dazu, dass ich mir die Zeit für die Selbstfürsorge erstmal verdienen müsste. Mehr wiederwillig als alles andere habe ich dann nach und nach versucht, mir Zeit für mich zu gönnen. Mir wurde geraten eine Stunde pro Tag nur für mich zu nutzen. Tja ne halbe Stunde pro zwei Tage war das Maximum, das ich mir am Anfang zugestehen konnte.
    In der Zeit hab ich dann ein bisschen herumexperimentiert: von PMR bis mit Wasserfarben malen hab ich alles mögliche gemacht, um geistig runter zukommen. Ich kann nämlich nicht abschalten. Solange ich in meiner inneren to do Liste noch unvollständige Projekte habe, begleiten die mich Tag und Nacht.
    Inzwischen bin ich etwas ausgeglichener, aber ich ab noch einen Kraxelweg voller Steine vor mir. (Und zugegebener Maßen mag ich diese Wege am liebsten. Die Aussicht, wenn man am Ende ankommt, ist einfach die Beste).
    Liebe Grüße

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